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Ein Dorf aus Tiny Homes: Von der Idee, mobil und alternativ zu leben

Ein Dorf aus Tiny Homes: Von der Idee, mobil und alternativ zu leben

Die Faszination vom Eisenbahnwagen. Die hatte schon Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“. Auch Thorsten Thane aus dem oberbayrischen Geretsried hat es gepackt. Doch seine Leidenschaft und sein Engagement gehen weit darüber hinaus. Er möchte nicht nur in einem Zugwaggon leben, sondern in einem Dorf, das aus mobilen Wohneinheiten besteht. Eine Community schaffen mit Leuten, die anders leben wollen. In einem Tiny Dorf. Wir haben mit ihm über Besitz, Baurecht und große Visionen gesprochen:

Sie haben die Vision eines Dorfs, einer Community, aus Tiny Häusern. Wann und wie genau begann ihr Traum von einem Leben dieser Art?

Ich war 19, als ich in meine erste WG gezogen bin. Seitdem habe ich das WG-Leben geliebt. Mit 21 bin ich dann für knapp elf Jahre ins Ausland gegangen und habe in dieser Zeit unter anderem acht Jahre für ROBINSON Clubs gearbeitet [ROBINSON ist ein Touristikunternehmen und bietet Urlaube in 4-Sterne-Hotels direkt am Strand oder in den Bergen mit Sport-, Wellness- und Kulinarik an – Anm. d. Redaktion].
Das Leben in den Hotels hat tatsächlich auch ein bisschen was von Community-Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.

Irgendwann war ich aber an einem Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, ich brauche und will das alles nicht mehr. Von einem Tag auf den anderen habe ich entschieden, meinen Vertrag bei ROBINSON nicht zu verlängern und nach Deutschland zurückzugehen. Dort habe ich dann mit Anfang 30 noch mal komplett bei null angefangen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nur eine Zusage für ein dreimonatiges Praktikum bei Spiegel TV. Aus dem Praktikum wurde dann ein Volontariat zum Fernsehredakteur und der Startschuss zu einem Leben in den Medien: schnelllebig, große Konkurrenz, immer unter Strom.

Das mache ich jetzt seit knapp 16 Jahren. Aber irgendwann kam der Gedanke, aus dieser Schnelllebigkeit wieder aussteigen zu wollen. Also fing ich an, nach bestehenden Projekten zu suchen, die meiner Idee vom Leben in einer Community entsprachen. Um es gleich kurz zu machen: Ich habe keins gefunden (lacht)!
Vor knapp zwei Jahren bin ich dann das erste Mal auf das Thema Tiny Houses gestoßen. Anfangs war ich dem gegenüber auch noch etwas skeptisch, fand die Idee an sich aber gut. Und je mehr ich mich mit den kleinen Häusern beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Das könnte die Grundlage für eine Community sein, wie ich sie mir vorstellte.

Was schätzen Sie an einem minimalistischen Lebensstil?

Ich bin kein „Minimalist“ im Sinne des derzeitigen Trends. Ich bin nur einfach jemand, der wenig an materiellen Dingen hängt. Während meiner Zeit im Ausland habe ich mein komplettes Hab und Gut in zwei Aluboxen bekommen. Heute, als alleinerziehender Vater mit einer elfjährigen Tochter, käme ich damit natürlich nicht mehr hin. Aber grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenig zu besitzen. Mein wichtigster Besitz sind die Bilder, Gerüche und Eindrücke meiner vielen Reisen, die ich in meinem Kopf abgespeichert habe.

Was würden Sie an einem Leben in einem Tiny Dorf besonders schätzen?

Die Gemeinschaft in Kombination mit der Privatsphäre. Jeder lebt, so wie er mag. Es ist egal, ob man vegan ist oder einen Spanferkelfetisch hat. Hauptsache, es passt zwischenmenschlich. Leben und leben lassen.

Leben im Tiny Dorf: Initiator Thorsten Thane

Ist das Leben in einem Tiny House eine echte Alternative zum Leben in einer herkömmlichen (Stadt)wohnung?

Ja und nein. Das Leben in einem Tiny House ist nicht vergleichbar mit dem Leben in einer Stadtwohnung. Beides hat seine Berechtigung und für beides gibt es Menschen, die so oder so leben wollen. Ich fände es auch genauso sinnlos, zu sagen, das Tiny House ist die Lösung gegen die Wohnungsnot. Das ist natürlich Quatsch! Es wird aber gerne von Politikern als „Gegenargument“ gebracht. In Deutschland scheint es immer nur eine Lösung zu geben. Entweder Diesel oder Elektroauto. Entweder Kohlekraftwerk oder Ökostrom. Entweder Tiny House oder Sozialwohnung. Erinnert sehr an die Monokultur in der Landwirtschaft. Das funktioniert auch nicht. Eine Lösung für ein Problem besteht immer aus vielen Einzelteilen.

Wie ist der aktuelle Stand beim Vorhaben, das Dorf zu realisieren?

Schwer zu sagen, derzeit stagniert es leider etwas. Momentan ist die Politik hier noch nicht wirklich gewillt, den Weg für uns zu ebnen. Wir haben zwar viele Unterstützer – auch im Rathaus – aber noch sind wir politisch scheinbar nicht relevant genug. Doch wir arbeiten daran (lächelt).

Welche Hürden gibt es aus Ihrer Erfahrung im Baurecht und beim Aufstellen eines Tiny Hauses?

Die meiner Meinung nach größte Hürde für Tiny Houses ist, dass sie als Immobilien gelten. Zumindest dann, wenn man dauerhaft in einem wohnen möchte. Hier braucht es eine Anpassung im Baurecht für dauerhaft bewohnte Mobilien [Mobilien ist der Oberbegriff für alle beweglichen Sachen wie zum Beispiel Fahrzeuge, Maschinen oder Geräte, Anm. d. Redaktion]. Das hat einerseits mit den Energieverordnungen zu tun. Aber viel wichtiger ist das Thema Bauland. Für eine Immobilie ist Bauland eine absolute Grundvoraussetzung. Eine Mobilie hingegen könnte sich auch andernorts befinden, da sie nicht dauerhaft dort stehen muss. So müsste etwa kein Boden versiegelt werden, weil sie schnell umziehbar ist. Es geht uns hierbei auch nicht darum, in irgendeinem Wald am See stehen zu wollen. Wir wollen viel mehr bereits erschlossene Stadtrandgebiete nutzen, die einfach nur nicht als Bauland ausgeschrieben sind. Das ist ein sehr komplexes Thema.

Welche Reaktionen haben Sie auf ihr Projekt abseits der Behörden, etwa von Freunden oder Kollegen, bekommen?

Insgesamt bekommen wir sehr positives Feedback. Sowohl von Freunden und Bekannten, wie auch von politischer Seite. Nur mag sich dort derzeit noch niemand so wirklich für uns stark machen. Merkel-Politik. Aussitzen so lange es geht (lacht). Da werden wir noch etwas Durchhaltevermögen haben müssen.

Sie haben schon immer davon geträumt, mal in einem alten Eisenbahnwaggon zu leben. Sollte das Dorf real werden – wird Íhr Tiny Home dann ein Eisenbahnwagen oder haben Sie andere Pläne?

Der Eisenbahnwagen wäre wirklich ein Traum, ist aber zu immobil. Ich renoviere gerade einen alten Zirkuswagen. Ist ja so ähnlich.

Soll das Dorf autark funktionieren oder wird es an öffentliche Leitungen (Wasser, Strom,…) angeschlossen?

Das Dorf soll auf jeden Fall öffentlich angeschlossen werden. So stehen jedem Bewohner alle Möglichkeiten offen, wie er leben will: autark, teilautark oder komplett von extern versorgt.

Wenn Sie eine kleine Utopie vom Zusammenleben und Wohnen in der Gesellschaft (egal ob Stadt oder Land) entwerfen könnten – wie sähe diese aus?

Weg von der Leistungsgesellschaft, hin zu einem echten solidarischen Miteinander. Aber das wäre noch mal ein abendfüllendes Thema für sich!

Fotos (c): Thorsten Thane

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